HICH-Studie

Untersuchung der Hippocampusfunktion und -morphologie bei chemotherapeutisch behandelten Patienten mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL): Eine monozentrische, interdisziplinäre Pilotstudie (HICH-Studie)
 
Ein Kooperationsprojekt der Kliniken für Neurologie, Hämatologie und Onkologie, und Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden sowie dem Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
 
Gefördert von der
 

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Hintergrund und Ziel der Studie
 
In den beiden neurogenen Regionen des erwachsenen Gehirns, nämlich dem Gyrus dentatus des Hippocampus und der subventrikulären Zone (SVZ) der lateralen Ventrikel werden kontinuierlich neue Nervenzellen aus adulten Stamm- bzw. Vorläuferzellen gebildet. Inzwischen weiß man, dass diese Sonderform der zelluläre Plastizität (adulte Neurogenese) ein physiologisches Phänomen und wichtige funktionelle Voraussetzung für die Leistung bestimmter Hirnareale (insbesondere des Hippocampus) ist. Im Tiermodel führt eine Hemmung der adulten Vorläuferzellproliferation mittels Chemotherapie oder gezielter Hippocampusbestrahlung zu signifikanten Defiziten in hippocampusabhängigen Leistungen (räumliches Gedächtnis), während das hippocampus-unabhängige (prozedurale) Gedächtnis unbeeinflusst bleibt. Aus einigen klinischen Studien ist bekannt, dass Chemotherapie und/oder Bestrahlung auch beim Menschen zu kognitiven Defiziten führt, allerdings sind deren exakten Entstehungsmechanismen bisher nahezu unbekannt.
Die Hypothese, dass eine Hemmung der adulten Neurogenese einen Teil eines solchen Pathomechanismus darstellt, ist bisher nicht untersucht worden. Deswegen ist das Ziel der vorliegenden Studie, die funktionelle Bedeutung einer durch die onkologische Behandlung verminderten Neurogenese in gedächtnisrelevanten Strukturen zu definieren. Dazu werden Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL), die eine prophylaktische Schädelbestrahlung und eine intrathekale Chemotherapie erhalten, vor und im weiteren Verlauf der Behandlung untersucht. Neben neuropsychologischen Standarduntersuchungen soll insbesondere eine „humanisierte“ Version der Morris-Water-Maze als Gold-Standard zur Testung des räumlichen Gedächtnisses als eine wesentliche hippocampale Funktion zur Anwendung kommen. Als entscheidender Vorteil ergibt sich hierbei eine selektive Testung der durch eine verminderte Neurogenese zu erwartenden kognitiven Defizite. Ergänzend werden mittels zerebraler Kernspintomographie (MRT) morphologische Daten wie Volumetrie des Hippocampus und auch biochemische Daten (Spektroskopie) erhoben, um eine mögliche Korrelation zu den funktionellen Veränderungen aufzeigen zu können. 

Die vorliegende Studie soll neben der genauen Beschreibung der Chemotherapie- induzierten neuropsychologischen Defizite auch erste Erkenntnisse über die zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismen liefern.